Samstag, 17. Mai 2014

bewusstseinsschalter


der bewusstseinsschalter, 2014

das bild "der bewusstseinsschalter" habe ich in den räumlichkeiten des alten progynmasiums (progr) in bern aufgenommen, dies im rahmen eines privaten projekts, das ich seit vier jahren verfolge.

bewusstseinsschalter

ich verweise auf blog 6 mit dem thema kreativität, auf blog 9 über die neurochemischen zusammenhänge und auf blog 10 mit dem thema gedächtnis und bewusste und unterbewusste speicherung. 

die hirnforschung versucht eines der letzten grossen rätsel zu entschlüsseln: das bewusstsein. doch weder gibt es, philosophisch gesehen, ein bewusstsein, noch kann für das bewusstsein ein bestimmter ort im gehirn gefunden werden, genau wie bei der seele auch kein ort im körper gefunden werden kann. 

bewusstsein ist ein zustand, den ich bewusst erlebe und über den ich berichten kann.

das hintergrundbewusstsein basiert auf meinen gefühlserfahrungen und zeigt mir, dass dieser körper mein körper ist und ich eine eigene identität besitze. ich kann zudem unterscheiden zwischen der realität und meinen gedanken und absichten. kurz: ich weiss, dass ich (allein) es bin, der denkt, fühlt, wahrnimmt oder auch entscheidet und handelt.

das aktualbewusstsein bedeutet, dass ich einerseits über meine sinne vorgänge in der umwelt oder in meinem körper wahrnehme und andererseits emotionen und bedürfnisse, wie z.b. hunger, erlebe. auch die rein geistigen tätigkeiten wie denken und erinnern gehören dazu.

das meiste alltagsgeschehen braucht aber gar kein bewusstsein, denn das gehirn verarbeitet vieles, das gar nicht in unser bewusstsein vordringt. man nennt das die implizite wahrnehmung – das implizite lernen.

wenn es aber um das neulernen geht, braucht es den expliziten funktionsmodus des bewusstseins – bewusstsein fördert neulernen sogar! neulernen geschieht durch die neubildung von neuronalen bahnen und gruppen (nervenzellen werden neu gebildet und zu neuen gruppen zusammengefügt). die wichtigste rolle dabei spielt das arbeitsgedächtnis (= präfrontaler cortex). nachdem die „strassen“ (bahnen) ausgebaut, gefestigt und automatisiert sind, wird die aktivität des arbeitsspeichers zurückgefahren. mit der automatisierung stört bewusste aufmerksamkeit nur noch – alles läuft unterbewusst – man kann es im schlaf.

da sinneseindrücke  schneller auf uns einprasseln als wir sie deuten können, ist das arbeitsgedächtnis nötig um daten zwischenzuspeichern. das geschieht mit hilfe des neurotransmitters dopamin, der uns beim thema kreativität in blog 6 bereits begegnet ist.

diese im präfrontalen cortex für kurze zeit zwischengespeicherten informationen bleiben so lange erhalten, bis sie analysiert, klassifiziert und mit vorerfahrungen verglichen wurden.

dopamin stellt also im präfrontalen cortex eine langsame, kognitive verarbeitung von informationen sicher.

durch stress wird das stresshormon noradrenalin im locus coeruleus (blauer kern) ausgeschüttet und verhindert die wirkung von dopamin. dadurch wird das arbeitsgedächtnis abgeschaltet zugunsten von hirnarealen, die nicht mehr zum cortex gehören. noradrenalin fördert so eine schnelle analoge verarbeitung von informationen, die unserem bewusstsein nicht mehr zugänglich sind.

stress und damit die ausschüttung von noradrenalin führen also zu einer gehirnumschaltung von einem bewussten, langsamen in einen unbewussten schnellen modus. noradrenalin ist übrigens eine chemische vorstufe von dopamin – beide sind wichtig bei der entstehung von psychischen krankheiten.

das stresshormon noradrenalin im blauen kern besitzt eine wichtige schalterfunktion zwischen bewusstsein und unterbewusstsein. (noradrenalin wird auch in der nebenniere produziert, wo es zusammen mit adrenalin zur körperlichen stressreaktion führt).

so kommen die unterbewusst arbeitenden hirnstrukturen, die tief im gehirn, vor allem im limbischen system, lokalisiert sind, zum zuge. mit der ausschaltung des arbeitsgedächtnisses wird lernen und damit die aufnahmefähigkeit, aber auch kreativität, erschwert oder verunmöglicht. stress ist ein denk- und kreativitätskiller.

zum limbischen system gehören neben vielen anderen strukturen die amygdala (mandelkern – gedächtnis für angst und gefühle), das mesolimbische system mit nucleus accumbens (glücks- und belohnungssystem) und der hippocampus (seepferdchen – deklaratives, episodisches langzeitgedächtnis).

so verwundert es also nicht, wenn unsere stressgeplagte gesellschaft dermassen unter psychischen und physischen krankheiten zu leiden hat, denn wie es scheint, schalten wir durch unser verhalten unsere bewusste einflussnahme aus und übergeben das zepter autonom ablaufenden und oft krankmachenden hirnprozessen.

ich werde in folgenden blogs die erkenntnisse aus der stressforschung und der traumaforschung weiter besprechen. das ermöglicht einsichten in die thematik, wie wir die welt erleben, wie wir gelenkt werden und welche möglichkeiten wir haben, um unser boot selber zu steuern. wie gross diese wirklich sind, ist aufgrund der hirn- und quantenpysikalischen erkenntnisse allerdings mehr als unklar.

quellen: gerhard roth, klaus grawe

Donnerstag, 1. Mai 2014

quadrofotografie

l'inconnu, 2001

























liebe blogfollowers

der blog wird ab sofort alle drei wochen erscheinen. viel spass!

das bild heisst „l’inconnu“ und ist ein schönes beispiel dafür, was die bewegte kamera kreieren kann.

actionsampler von lomo

die geschichte erinnert stark an jene in blog 8 geschilderte story mit dem i-pen. wir bewegten uns zeitlich immer noch in der analogen kamerawelt, ungefähr im jahr 1997. es geschah wieder am helllichten tag, ausgelöst und inszeniert von einem versandkatalog. und glaubt mir – ich bin nun wirklich kein versandkatalogfan, aber das universum mit seinen oft kuriosen zufällen stiess mich förmlich mit der nase darauf. 

in einem inserat wurde eine kleine wunderkamera angepriesen, umrahmt von spielenden kindern und einer breit und überglücklich lachenden grossmutter. mein interesse galt weniger diesen lachenden, glücklichen menschen, als vielmehr der begründung für dieses unermessliche glück.

die kamera hatte nicht nur ein objektiv, nein, sie hatte deren vier vorzuweisen, angeordnet als quadrat. wenn bei der aufnahme der kameraverschluss ausgelöst wird, dreht sich hinter den vier objektiven eine scheibe, die ein loch aufweist. während rund einer sekunde, solange dauert der ganze aufnahmeprozess, dreht sich diese scheibe mit dem einen loch hinter den vier objektiven, lässt so bei einem objektiv nach dem andern licht hindurch und belichtet den kleinbildfilm dahinter. auf diesem kleinbildformat 24x36mm werden also statt einem bild ganze vier bilder in dementsprechend kleinerem format abgebildet, mit dem ziel, diese zu verschenken.

selbstporträt, 1998

sofort übte diese kleine schwarze plastikkamera, eigentlich eine art lochkamera, an der es nun technisch wirklich nichts einzustellen gibt, eine unwiderstehliche faszination auf mich aus. vor allem die dauer der vier aufnahmen während einer sekunde – das schrie nach kreativer umsetzung! die kamera war dafür ausgelegt, dass ein bewegtes objekt oder eine actionszene fotografisch festgehalten werden kann. was würde aber geschehen, wenn ich selber während dieser sekunde die kamera stark bewege?

ich konnte die ersten knipsversuche kaum erwarten. vor allem überrascht und begeistert war ich primär von der abbildungsleistung dieser vier plastiklinsen in miniaturgrösse, was zusätzlich auch auf die starke weitwinkelausrichtung der linsen zurückzuführen ist. eine vergrösserung bis a2/a1 ist möglich!

der absolute knüller aber ist diese aufnahmesekunde. ich kann einerseits die kamera ganz ruhig halten und so vier praktisch identische bilder schiessen. schon die vierfache wiederholung des gleichen bildes übt einen speziellen künstlerischen reiz aus. wenn ich aber andererseits die kamera rasch bewege, erhalte ich vier verschiedene bilder mit mehr oder weniger starker bewegungsunschärfe. auch wenn ich ein schneller berner bin, bin ich viel zu langsam im bewegen der kamera, wenn ich durch den aufklapparen sportsucher guckend, die kamera am auge behalte. ich trickse das system aus, indem ich das ausgangsbild anvisiere, dann auslöse und die kamera sofort und schnell in einer vorher geübten bahn wild durch die luft wirble.

es braucht nicht viel fantasie, um sich die wiederum verdutzten gesichter der zeitgenossen vorzustellen, die jeweils  ungewollt zeugen einer aktion der besonderen art werden, sobald der wilde mann diese kleine kamera durch die luft wirbelt. eine aktion mit fast signerschen ansätzen, allerdings ohne explosionen und meist ohne zerstörung (roman signer, schweizer künstler).

nicht ganz – viele „fliegende“ kameras sind an ihrer feder zerbrochen, die das ominöse verschlussrad antreiben, kaputtgestossen durch die wilden bewegungen in der luft. die unregelmässige geschwindigkeit dieses verschlussrades führt leider oft dazu, dass eines der vier bilder unterbelichtet ist, gerade nach einem rasanten „achterbahntrip“ der kamera.

das ganze system bietet alle kicks, aber auch nachteile der analogen fotografie: der preis eines films, und das warten, bis die filme entwickelt aus dem labor zurückkommen. da diese kamera keinen belichtungsmesser hat, müssen die lichtverhältnisse wie vor hundert jahren abgeschätzt werden. so laufe ich immer mit zwei kameras gleichzeitig durch die welt, mit einem niedrig empfindlichen film in der einen und einem hochempfindlichen in der anderen kamera. das hat zusätzlich den vorteil, dass eine reservekamera vorhanden ist, falls die andere zu schrott „bewegt“ wurde. 

es verging einige zeit, bis ich merkte, dass diese kamera zu der ein bisschen schrägen welt der lomos gehört und das ganze sich lomographie nennt. heute gibt es eine riesige fangemeinde, mit einem absoluten treuecredo für die analoge fotografie. in berlin zum beispiel gibt es, wie auch in anderen städten, riesige shops, gefüllt mit lomokameras für jeden gusto. unter www.lomo.de erfährt man mehr über den hype mit der lomografie.

Freitag, 4. April 2014

facettenreiches gedächtnis

schattenfiguren, 2014


der letzte blogtermin vom 22.3. ist ausgefallen, da ich in den ferien war. ich durfte eine wunderschöne entdeckungsfahrt erleben durch myanmar, kambodscha und thailand, mit menschlichen, kulturellen, landschaftlichen und natürlich auch fotografischen highlights.

ab montag ist meine homepage auch in englischer sprache aufgeschaltet. ich begrüsse ganz herzlich alle interessierten im angelsächsischen raum.

facettenreiches gedächtnis

wenn ich ein foto betrachte, so erkenne ich personen, ein gesicht, orte oder auch situationen. dafür brauche ich ein gedächtnis, welches mir ermöglicht, informationen zu erwerben, zu speichern oder abzurufen. so kann ich mich an erlebnisse erinnern oder auch die zukunft vorausplanen, entsprechend meinen bewerteten vorerfahrungen. das könnte man dann (je nach resultat) intelligentes verhalten nennen.

das kurzzeitgedächtnis speichert und erinnert unmittelbar, aber mit begrenzter kapazität. das langzeitgedächtnis hat eine grosse speicherkapazität mit stabileren erinnerungen. diese basieren auf der synaptischen plastizität. 

das langzeitgedächtnis kann wiederum unterteilt werden in das deklarative, explizite wissensgedächtnis, wo fakten, aber auch automatisierte handlungen gespeichert werden (z. b. fahrradfahren: zuerst bewusst gelernt, dann automatisiert sich der prozess). hier geht es also um neulernen und umlernen.

im nichtdeklarativen, impliziten gedächtnis geht es um das „wissen wie“. hier werden emotionale reaktionen (angst vor einem tier) und motorische reflexe (augen schliessen bei gefahr) gespeichert. das ganze läuft nach dem prinzip der pawlow‘schen konditionierung ab. der zweck dieser gedächtnisspeicherung ist es, die überlebenschancen zu optimieren.

das hundeexperiment von pawlow funktioniert folgendermassen: bei der futterabgabe ertönt eine glocke, und den hungrigen hunden läuft beim anblick des herrlichen frasses natürlich das wasser im munde zusammen. mit der zeit ertönt nur noch die glocke ohne essensabgabe – und der mund läuft den hunden trotzdem über. das heisst: die hunde zeigen eine konditionierte reaktion auf den glockenton.

über unsere verschiedenen sinne prasseln dauernd reize und informationen aus der umwelt, aber auch aus unserem körper auf unser gehirn ein. das könnte zu einer überbordenden chaotischen erregung des gehirns führen (ein epilepsieanfall könnte so gesehen werden). das gehirn erhält seine ordnung aufrecht, indem der thalamus, das „eingangstor“ zum gehirn und wichtige schaltzentrale, unrelevante reize weg filtert. so bleiben viele neuronen unstimuliert oder werden sogar gehemmt. wenn ich mich stark auf etwas konzentriere, blende ich unwichtiges wie z.b. strassenlärm aus, sobald aber mein name gerufen wird, reagiere ich sofort.

ein einzelnes neuron „weiss“ nichts. erst verbände gleichzeitig aktivierter neuronen und ihre musterbildung ergeben bedeutung. bei lernprozessen – und leben ist ein einziger lernprozess – verknüpfen sich die beteiligten neuronen zu spezialisierten netzwerken. wenn ein neuron ein anderes neuron mehrmals aktiviert, entstehen neue kontaktstellen, die zudem mit jeder neuen aktivierung empfindlicher und stabiler(!) werden, wie wenn sich das system an die frühere stimulation erinnern würde. das nennt man langzeitpotenzierung (ltp).

das nervensystem ist also äusserst anpassunsfähig, lernfähig und selbstorganisiert!

das gehirn speichert alles, nur zum teil bewusst, zum grössten teil aber unterbewusst. alle unsere erlebnisse, gedanken und vorstellungen, aber auch unser handeln und dessen folgen und nicht zuletzt unsere emotionen (gespeichert in der amygdala, dem mandelkern, bestandteil des limbischen systems, tief im inneren des gehirns) bestimmen unsere identität. so wie wir die vergangenheit „bewerten“, beeinflusst sie unsere sicht der gegenwart und unser handeln in der zukunft.

zur erinnerung: das gedächtnis als solches gibt es nicht. es existieren nur unterschiedliche verarbeitungs- und speichersysteme. gedächtnis bedeutet demnach, dass strukturen des neuronalen netzwerkes verändert werden. das nennt man die neuroplastizität des gehirns.

quellen: christof koch, manfred spitzer, gerhard roth, klaus grawe

Samstag, 8. März 2014

die neurochemische grundlage unseres gefühlslebens

farbentanz, 2011


das bild in blog 9 heisst „farbentanz“, fotografiert in meinem  garten. wieder einmal konnte ich die kamera nicht still halten, trotz meiner doch sonst eher ruhigen hand. – spass beiseite –, das bild ist ein schönes resultat einer verwischungsunschärfe, erzielt durch die bewegung der kamera während einer langen verschlusszeit. 

in blog 7 widmete ich mich dem thema neuronenvernetzung. im heutigen blog erläutere ich die wichtigsten transmitter. sie bilden die grundlage unseres gefühlslebens.

die zellmembrane der neuronen werden durch irgendeinen reiz erregt. dieser nervenimpuls wandert entlang des bis zu einem meter langen zellfortsatzes, axon genannt, zu den synapsen, wo transportvesikel (kleine säcklein) bereitstehen, die mit neurotransmittern gefüllt sind (z.b. dopamin). 

diese durch den nervenimpuls ausgeschütteten transmitter erregen nun die empfangsstellen (dendriten) der benachbarten zielzelle so lange, bis diese auch feuert, also dieses signal in form von aktionspotentialen (eine folge von elektrischen signalimpulsen) über sein axon an die nächste zielzelle weiterleitet und diese wiederum erregt.

das ganze ist also eine elektrochemische form der signalübertragung von zelle zu zelle durch die freisetzung von verschiedensten neurotransmittern. dies geschieht in millisekunden bis sekunden. die meisten neurone stellen nach neuster forschung mehrere transmitter her. transmitter wirken erregend, aber auch hemmend. das wird bei den medikamenten ausgenutzt, die eben an diesen synapsen chemisch eingreifen.

neurotransmitter (im gehirn): glutamat, wichtig beim lernen und potentiell verantwortlich für die entstehung von schizophrenie und eventuell weiteren erkrankungen.

neuromodulatoren, die unser bewusstsein und unsere seelische befindlichkeit erschaffen: 

dopamin, unser antriebssystem für glück, lust, befriedigung, belohnung und unser arbeitsgedächtnis!

serotonin, für unser glückssystem und gefühlsleben.

noradrenalin, für aufmerksamkeit, neue reize, depression, aber zusammen mit adrenalin auch wichtig in unserem stresssystem.

acetylcholin, für unsere gedächtnisbildung.

neuropeptide: opioide - endorphine, die vom körper selbst produzierten morphine zur schmerzunterdrückung, aber auch zur steigerung von glücksgefühlen. mehr als hundert verschiedene sind bereits bekannt.

vasopressin, zur flüssigkeitsvolumenregulation

oxytocin, das allgemein bindungen verstärkt, z.b. mutter-kind oder partner untereinander. sex erhöht übrigens die oxytocinausschüttung und führt so zu mehr bindung. zusätzlich stärkt sex auch das immunsystem.

neurohormone: corticotropin-releasing-factor (crf), der das hormon acth produziert. diese „stressachse“ wiederum hat eine schlüsselfunktion im geschehen um traumatische erlebnisse.

viele leser erinnern sich vielleicht jetzt ein bisschen zurück an traumatische schulerlebnisse. keine angst, es ist nicht nötig, die vielen komplexen biochemischen vorgänge bis auf die molekulare ebene zu verstehen. ich bin aber fest davon überzeugt, dass es sich lohnt, die oben angeführten begriffe mal locker zu speichern, denn diese namen werden immer wieder auftauchen bei allen erklärungsversuchen von gefühlen, befindlichkeiten, genuss über alle unsere sinne, stressproblematik, lernen, bewusstem und unbewusstem erleben bis hin zum besseren verständnis von krankheiten und der wirkungsweise von medikamenten. je mehr man etwas hört – lernt –, desto besser wird es im gedächtnis verankert.

unser ganzes leben basiert eben auf lernprozessen, realen erfahrungen – also psychischen prozessen -  welche die übertragungsbereitschaft der synapsen beeinflussen, in erregendem oder hemmendem sinn. dies kann und muss auch gerade in der psychotherapie erkannt und bewusst genutzt werden.

das verständnis dieser komplexen vorgänge im gehirn und in unserem körper, und der funktionsweise gerade unseres unterbewusstseins, verknüpft mit der mikrowelt der quantenphysik und der epigenetik, ermöglicht uns so eine neue sichtweise auf unser menschsein.

quellen: gerhard roth, klaus grawe, manfred spitzer

Samstag, 22. Februar 2014

i-pen fotografie

mein sonnenschirm, 2006


im heutigen blog 8 stelle ich eine art fotografie der besonderen, spielerischen und etwas verrückten  art vor. 

im jahr 2003 entdeckte ich per zufall in einem katalog eine digitalkamera der firma pretec mit speziellem design, gedacht für ein zielpublikum mit einem flair für nicht alltägliche massenware, oder einfach für leute mit experimentierfreudigem spieltrieb. die kamera ist verpackt und getarnt in einem kugelschreiber, und, weil so für potentielle fotoopfer nicht erkennbar, für „versteckte, spionageartige“ aufnahmetechniken vorgesehen. die auflösung mit 480x640 pixel war schon für die damalige zeit mickrig und eigentlich untauglich, um irgendein klares bild zu erzeugen. der sucher ist ein schlichtes loch, durch das man ohne probleme zahnstocher oder zahnseide hindurchstossen könnte. die zielgenauigkeit ist absolut ungenau und abhängig davon, in welchem winkel und wie nahe man sein auge ans loch heranzupressen versucht. dementsprechend schockierend war die ausbeute. viele bilder lagen neben dem ziel, der horizont oft in totaler schieflage. gespiesen wird  das „spionagetool“ von einer aaa-batterie, die nach ca. 50 bildern den geist aufgibt und mich zwingt, als wandelndes batterievorratslager in der welt herumzupilgern. um eben batterieenergie zu sparen, schaltet sich die kamera nach einigen sekunden aus. oft drücke ich auf den auslöser ohne zu bemerken, dass die kamera out of order ist und es dauert zu lange , bis sie wieder durch einen drehmechanismus aktiviert werden kann. schon manche schöne szene konnte so nie verewigt werden, und ist im universum darum nur als flüchtige energie gespeichert. 

die erste bilderserie auf dem monitor war ein schock. alle bilder flau und ohne farbe, eigentlich nur eine graue sauce, wie sie ein düsterer novembertag nicht besser bereitstellen kann. meine frustration entlud sich in der aggressiven bedienung der farbregler im photoshop unter verwünschungen der einfacheren art. trial and error war doch schon immer das motto der evolution – und siehe da, das universum wollte sich mit mir versöhnen und hatte mich auf die richtige fährte gebracht: phönix entstieg der grauen sauce und es entstanden plötzlich bilder mit fast kleeartigen, farbigen pixelrechtecken, die einen gemäldeartigen touch hervorzauberten. wunderbar zum ausdruck kommt dieses phänomen bei vergrösserungen ab 60 cm und mehr.

nun war der bann gebrochen, der jubel gross, und ich war nicht mehr zu halten. ich musste bereits aufpassen, dass der kugelschreiber nicht mit dem rechten auge verschmolz oder sogar anwuchs.


selbstporträt i-pen, 2011


die erscheinung des nicht mehr ganz jungen mannes mit einem kugelschreiber vor dem rechten auge und die begegnung mit diesem fotoalien erstaunt immer wieder viele zeitgenossen, die ihrer wahrnehmung auf einmal gar nicht mehr sicher sind. staunen, mitleidiges kopfschütteln, aber auch interessiertes nachfragen sind die reaktionen. ich kann die massen an offenen mündern nicht mehr zählen, und ich bin in diesem kontext auch immer wieder darüber entzückt, obschon ich ja eigentlich weit geöffnete münder in meiner früheren berufstätigkeit zur genüge kennengelernt hatte. diese grosse aufmerksamkeit, die diesem fototool und dem menschen dahinter entgegengebracht wird, lässt natürlich jeden fotospion sofort auffliegen.

leider, aber irgendwie auch verständlich, wurde die produktion dieses fotografierenden kugelschreibers eingestellt. erhältlich ist noch eine videoversion ohne sucher. das macht das erfassen eines sujets aber noch eine spur schwieriger.

vielleicht entdeckt die firma pretec ja auf grund obiger bilder das grandiose kreative potential dieses kugelschreibers neu und startet eine grossproduktion. 

das bild von blog 8 „ mein kleiner sonnenschirm“ gehört zu einer strandserie, die 2004 in kalabrien entstand. die ganze serie ist auf der homepage unter der neuen rubrik i-pen fotografie aufgeschaltet. das bild „ la mama am strand“ repräsentiert die italianità sehr schön. es war eine erheiternde szenerie, nicht nur perfekt gespielt, sondern auch umwerfend intoniert.

in meinem buch sind die bilder auf den seiten 21, 44 und 63 mit der i-pen kamera geschossen, ebenso das bild von blog 4.

Samstag, 8. Februar 2014

gehirn und wissen


wissenmachtschaft, 2006



das bild für blog 7 zeigt die mit stacheldraht eingezäunte fassade des bundeshauses und ist zugleich ein wortspiel.

in blog 6 habe ich mit dem thema kreativität viele unser gehirn betreffende begriffe wie dopamin, emotion, intuition, belohnungssystem, glück, limbisches system, „unbewusstes emotionszentrum“, stress und lernen kurz angeschnitten. 

sehen, erfühlen von bildern und erleben von kunst sind an gehirnprozesse gekoppelt. dies fordert uns unweigerlich dazu auf, mehr über diese abläufe in unserem gehirn zu lernen und zu verstehen.

ich werde, wie in früheren blogs angekündigt, von blog zu blog immer tiefer in die materie von gehirn, bewusstsein, unterbewusstsein und damit der quantenphysik eintauchen.

unser gehirn wiegt nur 1.4 kilogramm, ist aber das komplexeste organ mit einer weisheit aus 500 millionen jahren evolution. es ist immer eingeschaltet und steuert und reguliert alle körperfunktionen.

das gehirn besteht aus 2 hälften (hemisphären), welche durch den balken (corpus callosum) verbunden sind. früher ordnete man jeder hemisphäre spezifische funktionen zu. neuere untersuchungsmethoden zeigen aber, dass beide hälften ihre inhalte austauschen und ergänzen, also zusammenarbeiten. die gehirnleistung wird dadurch grösser.

bei musik zum beispiel verarbeitet die linke hälfte die tonelemente , die rechte die „melodie“. das resultat ist dann musik. einzelheiten in einem bild sehen wir links, das ganze bild rechts.
wir müssen uns somit von der vorstellung lösen, dass logik links und emotion/kreativität rechts entsteht. der mensch fühlt, denkt und handelt ganzheitlich dadurch, dass beide hemisphären sich austauschen. 

das gehirn  enthält ca. 100 milliarden neuronen (nervenzellen, vergleichbar mit der anzahl sterne in der milchstrasse).
ein neuron ist eine komplexe chemische fabrik, ein mikrokosmos. in jedem zellkern dieser neuronen sind alle 35‘000 gene des individuums enthalten. jedes neuron ist ein spezialist an seinem spezifischen ort, arbeitet aber immer in gruppen.

jedes neuron ist mit bis zu 10‘000 synapsen mit anderen neuronen verbunden. 60 billionen solcher kontaktstellen = synapsen gibt es im cortex. an diesen synapsenspalten findet die chemische übertragung mittels neurotransmitter und neuromodulatoren statt (wie zum beispiel mit hilfe des im letzten blog besprochenen botenstoffs dopamin).

es bilden sich während des ganzen lebens dauernd neue neuronen und synapsen, welche sich neu verschalten. dieser vorgang heisst neuroplastizität und ist beim lernen sehr wichtig. verminderte hirnleistung hat nichts mit dem alter zu tun, sondern ist abhängig vom training!

unser erleben, lernen, verhalten und damit unser bewusstsein und unsere identität, basieren auf dieser vernetzung der neuronen und ihren erregungsmustern. 

neuronen sind die atome der wahrnehmung und führen zu bewusstsein und wissen.

schafft wissen mehr macht? wie machtvoll ist wissenschaft? wer führt und leitet die wissenschaft in auch gerade ethischen bahnen?

quellen: christof koch, norbert herschkowitz, klaus grawe