Samstag, 17. Mai 2014

bewusstseinsschalter


der bewusstseinsschalter, 2014

das bild "der bewusstseinsschalter" habe ich in den räumlichkeiten des alten progynmasiums (progr) in bern aufgenommen, dies im rahmen eines privaten projekts, das ich seit vier jahren verfolge.

bewusstseinsschalter

ich verweise auf blog 6 mit dem thema kreativität, auf blog 9 über die neurochemischen zusammenhänge und auf blog 10 mit dem thema gedächtnis und bewusste und unterbewusste speicherung. 

die hirnforschung versucht eines der letzten grossen rätsel zu entschlüsseln: das bewusstsein. doch weder gibt es, philosophisch gesehen, ein bewusstsein, noch kann für das bewusstsein ein bestimmter ort im gehirn gefunden werden, genau wie bei der seele auch kein ort im körper gefunden werden kann. 

bewusstsein ist ein zustand, den ich bewusst erlebe und über den ich berichten kann.

das hintergrundbewusstsein basiert auf meinen gefühlserfahrungen und zeigt mir, dass dieser körper mein körper ist und ich eine eigene identität besitze. ich kann zudem unterscheiden zwischen der realität und meinen gedanken und absichten. kurz: ich weiss, dass ich (allein) es bin, der denkt, fühlt, wahrnimmt oder auch entscheidet und handelt.

das aktualbewusstsein bedeutet, dass ich einerseits über meine sinne vorgänge in der umwelt oder in meinem körper wahrnehme und andererseits emotionen und bedürfnisse, wie z.b. hunger, erlebe. auch die rein geistigen tätigkeiten wie denken und erinnern gehören dazu.

das meiste alltagsgeschehen braucht aber gar kein bewusstsein, denn das gehirn verarbeitet vieles, das gar nicht in unser bewusstsein vordringt. man nennt das die implizite wahrnehmung – das implizite lernen.

wenn es aber um das neulernen geht, braucht es den expliziten funktionsmodus des bewusstseins – bewusstsein fördert neulernen sogar! neulernen geschieht durch die neubildung von neuronalen bahnen und gruppen (nervenzellen werden neu gebildet und zu neuen gruppen zusammengefügt). die wichtigste rolle dabei spielt das arbeitsgedächtnis (= präfrontaler cortex). nachdem die „strassen“ (bahnen) ausgebaut, gefestigt und automatisiert sind, wird die aktivität des arbeitsspeichers zurückgefahren. mit der automatisierung stört bewusste aufmerksamkeit nur noch – alles läuft unterbewusst – man kann es im schlaf.

da sinneseindrücke  schneller auf uns einprasseln als wir sie deuten können, ist das arbeitsgedächtnis nötig um daten zwischenzuspeichern. das geschieht mit hilfe des neurotransmitters dopamin, der uns beim thema kreativität in blog 6 bereits begegnet ist.

diese im präfrontalen cortex für kurze zeit zwischengespeicherten informationen bleiben so lange erhalten, bis sie analysiert, klassifiziert und mit vorerfahrungen verglichen wurden.

dopamin stellt also im präfrontalen cortex eine langsame, kognitive verarbeitung von informationen sicher.

durch stress wird das stresshormon noradrenalin im locus coeruleus (blauer kern) ausgeschüttet und verhindert die wirkung von dopamin. dadurch wird das arbeitsgedächtnis abgeschaltet zugunsten von hirnarealen, die nicht mehr zum cortex gehören. noradrenalin fördert so eine schnelle analoge verarbeitung von informationen, die unserem bewusstsein nicht mehr zugänglich sind.

stress und damit die ausschüttung von noradrenalin führen also zu einer gehirnumschaltung von einem bewussten, langsamen in einen unbewussten schnellen modus. noradrenalin ist übrigens eine chemische vorstufe von dopamin – beide sind wichtig bei der entstehung von psychischen krankheiten.

das stresshormon noradrenalin im blauen kern besitzt eine wichtige schalterfunktion zwischen bewusstsein und unterbewusstsein. (noradrenalin wird auch in der nebenniere produziert, wo es zusammen mit adrenalin zur körperlichen stressreaktion führt).

so kommen die unterbewusst arbeitenden hirnstrukturen, die tief im gehirn, vor allem im limbischen system, lokalisiert sind, zum zuge. mit der ausschaltung des arbeitsgedächtnisses wird lernen und damit die aufnahmefähigkeit, aber auch kreativität, erschwert oder verunmöglicht. stress ist ein denk- und kreativitätskiller.

zum limbischen system gehören neben vielen anderen strukturen die amygdala (mandelkern – gedächtnis für angst und gefühle), das mesolimbische system mit nucleus accumbens (glücks- und belohnungssystem) und der hippocampus (seepferdchen – deklaratives, episodisches langzeitgedächtnis).

so verwundert es also nicht, wenn unsere stressgeplagte gesellschaft dermassen unter psychischen und physischen krankheiten zu leiden hat, denn wie es scheint, schalten wir durch unser verhalten unsere bewusste einflussnahme aus und übergeben das zepter autonom ablaufenden und oft krankmachenden hirnprozessen.

ich werde in folgenden blogs die erkenntnisse aus der stressforschung und der traumaforschung weiter besprechen. das ermöglicht einsichten in die thematik, wie wir die welt erleben, wie wir gelenkt werden und welche möglichkeiten wir haben, um unser boot selber zu steuern. wie gross diese wirklich sind, ist aufgrund der hirn- und quantenpysikalischen erkenntnisse allerdings mehr als unklar.

quellen: gerhard roth, klaus grawe

Kommentare:

  1. Ein wissenschaftlich-philosophischer Kunst-Blog eröffnet einen Trichter an Fragestellungen, welche den Rahmen des hier diskutierbaren sicher sprengen.
    Dualität oder eben Nicht-Dualität des Weltbildes – in Zusammenhang mit der zentralen Frage des Bewusstseins - ist ein Aspekt unter vielen.
    Da in der – dem Blog-Verfasser affinen – Quantenwelt diese Dualität bisweilen aufgehoben ist, beziehungsweise, weil Beobachter und Objekt sich wechselseitig bedingen und gewissermassen verschränkt sind;
    hier die mit etwas Humor gestellte Frage:
    Ist nun das aktuelle Blog-Bild „der bewusstseinsschalter“ im Computer, oder nur in meinem Kopf?
    Wer diese Fragestellung absurd findet, dürfte z.B. mit diesen Erklärungen verwirrt werden können:
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=vnvM_YAwX4I#t=185

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  2. lieber hilmar
    vielen dank für die wiederum sehr kreativen anregungen.
    ich postuliere: an beiden orten. die wellenfunktion ist unmittelbar kollabiert, sobald du als beobachter in erscheinung getreten bist. das bild „zeigt sich“ folglich im computer und in deinem gehirn als „bewusste realität“, obschon das bild eigentlich auch nur eine energieschwingung ist, und, – falls du nicht nachschaust, weder du noch der compi noch das bild überhaupt existent sind.
    ich werde in den vielen noch folgenden blogs auf alle diese quantenphänomene eingehen.
    herzlich urs

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